Pendelkugellager

Wenn Wellen sich biegen oder Fluchtungsfehler auftreten, steigen herkömmliche Lager oft aus. Nicht so das Pendelkugellager. Dank seiner hohlkugeligen Außenlaufbahn stellt es sich "pendelnd" ein und gleicht Winkelfehler souverän aus. Es ist das Lager mit der geringsten Reibung aller Wälzlagerarten – das bedeutet weniger Wärmeentwicklung und höhere Drehzahlen.

Reibungsminimiert, fehlertolerant und kühl im Betrieb

In einer perfekten Welt sind alle Wellen kerzengerade und alle Gehäuse präzise ausgerichtet. In der Realität sorgen Belastungen jedoch für Wellendurchbiegungen oder Montageungenauigkeiten für Schiefstellungen. Ein starres Lager würde hier verkanten, heißlaufen und frühzeitig ausfallen.

Das Pendelkugellager wurde genau für dieses Szenario entwickelt. Es ist eine zweireihige, selbsthaltende Baueinheit, bei der die Kugeln in zwei Rillen auf dem Innenring laufen, aber eine gemeinsame, sphärische (hohlkugelige) Laufbahn im Außenring nutzen. Das Resultat: Der Innenring samt Kugelkränzen kann im Außenring schwenken.

Die Vorteile auf einen Blick

  • Ausgleich von Fluchtungsfehlern: Das Lager kompensiert statische und dynamische Winkelfehler zwischen Welle und Gehäuse.
  • Geringste Reibung: Pendelkugellager haben den niedrigsten Reibungswiderstand aller Wälzlager.
  • Kühler Lauf: Durch die geringe Reibung entsteht weniger Wärme, was sie ideal für höhere Drehzahlen macht (besser als Tonnenlager mit ihrem Linienkontakt).
  • Geräuscharm: Der Lauf ist besonders leise und vibrationsarm.

Ausführungen und Varianten

Um für jede Einbausituation gerüstet zu sein, bieten wir verschiedene Bauformen der Reihen 12, 13, 22 und 23 an:

  1. Bohrungsform: Zylindrisch oder kegelig
    • Zylindrische Bohrung: Zur direkten Montage auf der Welle.
    • Kegelige Bohrung (Nachsetzzeichen K): Diese Lager (Kegel 1:12) werden meist mithilfe von Spann- und Abziehhülsen auf der Welle befestigt. Dies erleichtert die Montage und Demontage enorm, da der Sitz nicht mikrometergenau gedreht sein muss.
  2. Offen vs. Abgedichtet (2RS)
    • Offene Lager: Standard für Anwendungen, die extern geschmiert werden (Öl oder Fett). Sie erlauben eine Schwenkbarkeit von ca. 4° aus der Mittellage.
    • Abgedichtete Lager (2RS): Haben beidseitig schleifende Dichtungen und sind ab Werk mit einem hochwertigen Qualitätsfett lebensdauergeschmiert. Sie sind wartungsfrei, erlauben jedoch aufgrund der Dichtung nur eine geringere Schwenkbarkeit (max. 1,5°).
  3. Lager mit breitem Innenring (Reihe 112)
    Diese Spezialform besitzt einen verbreiterten Innenring mit Fixiernut. Sie werden einfach mittels Stiftschrauben auf handelsüblichen Wellen (Toleranz h7 bis J7) befestigt – extrem montagefreundlich für einfache Lagerungen.

Einsatzbereiche und Grenzen

Pendelkugellager sind die erste Wahl in Branchen, wo leichte bis mittlere Lasten bewegt werden, aber die Umgebungskonstruktion nicht 100% starr ist:

  • Landmaschinen & Fördertechnik: Wo Rahmenkonstruktionen sich verwinden.
  • Ventilatoren: Für hohe Drehzahlen und ruhigen Lauf.
  • Holzbearbeitungsmaschinen: Wo präziser Lauf trotz Vibrationen gefordert ist.

Temperaturgrenzen: Offene Lager mit Messingkäfig können von -30°C bis +150°C eingesetzt werden (Polyamidkäfige bis +120°C). Bei abgedichteten Varianten begrenzen das Fett und der Dichtungswerkstoff den Bereich meist auf -30°C bis +100°C.

Montage und Zubehör

Die Montage eines Pendelkugellagers, besonders auf kegeligem Sitz, erfordert das richtige Zubehör. Während offene Lager axial eingestellt werden müssen, um das Radialspiel zu definieren, sind Lager auf Spannhülsen einfach zu klemmen. Nutzen Sie Sicherungsbleche und Nutmuttern, um die Position dauerhaft zu fixieren.

Wählen Sie jetzt die passende Größe für Ihre Anwendung – ob mit zylindrischer Bohrung oder inklusive Spannhülse.

Alternativ können Sie aus unserer Wälzlager Produktvielfalt eine andere Lösung wählen.