Gleitlager

Wenn der Bauraum begrenzt ist, starke Stöße auftreten oder eine wartungsfreie Lösung gefordert ist, schlägt die Stunde der Gleitlager. Vom klassischen Bronze-Lager für schwerste Baumaschinen bis hin zur High-Tech PTFE-Composite Buchse für den Trockenlauf: Wir bieten Ihnen das komplette Sortiment von SKF, dem Marktführer für rotierende Ausrüstung.

Gleitlagertechnik: Wenn Reibung zur kontrollierten Bewegung wird

Robustheit trifft auf Materialwissenschaft

Während Wälzlager wie Schrägkugellager oder Zylinderrollenlager die Reibung durch rollende Körper (Kugeln oder Rollen) minimieren, basieren Gleitlager auf dem direkten Gleiten zweier Oberflächen aufeinander. Das klingt simpel, ist aber im modernen Maschinenbau eine Wissenschaft für sich.

Gleitlager benötigen deutlich weniger radialen Bauraum als Wälzlager, sind unempfindlicher gegen Schmutz und Stöße und laufen extrem geräuscharm. Als Ihr Partner führen wir das SKF Sortiment, das von traditionellen massiven Bronzebuchsen bis zu modernsten Faserverbundwerkstoffen reicht.

Die SKF Expertise: Mehr als nur Wälzlager

SKF ist weltweit als "Nummer Eins" für Lager bekannt. Doch auch bei Gleitlagern setzt der schwedische Hersteller Maßstäbe. Mit einem riesigen Know-how in Tribologie (der Lehre von Reibung und Verschleiß) bietet SKF Lösungen, die längere Standzeiten garantieren.

Um das richtige Lager zu finden, unterscheiden wir die Produkte nach ihrem Werkstoff und ihrer Bauform.

1. Die Klassiker: Bronze-Gleitlager

Bronze ist der traditionelle Werkstoff für robuste Anwendungen. Er ist widerstandsfähig, langlebig und tolerant gegenüber Verschmutzung.

  • Massive Bronze-Gleitlager: Gefertigt aus Mehrkomponenten-Bronze (CuSn7Zn4Pb7B). Sie sind die Arbeitstiere für Bagger, Kräne und Förderanlagen.
    • Vorteil: Unempfindlich gegen Schmutz, Stöße und Schwingungen.
    • Schmierung: Meist mit Fett. Schmiernuten verhindern das Austreten des Schmierstoffs.
    • Einsatz: Oszillierende Bewegungen bei niedrigen Drehzahlen.
  • Gerollte Bronze-Gleitlager: Diese Buchsen bestehen aus Bronzeblech (CuSn8) mit rautenförmigen Schmiertaschen in der Gleitfläche.
    • Vorteil: Die Taschen dienen als Fettspeicher. Ideal für landwirtschaftliche Geräte, wo nicht täglich geschmiert werden kann.
    • Einsatz: Schmutzige Umgebungen mit hoher Stoßbelastung.
  • Sinterbronze-Gleitlager (Die Selbstschmierenden): Diese Lager bestehen aus einer porösen Sinterbronze-Matrix, die mit Öl imprägniert ist.
    • Vorteil: Sie ermöglichen die höchsten Gleitgeschwindigkeiten unter den Bronzelagern und sind wartungsfrei (das Öl zirkuliert in den Poren).
    • Einsatz: Elektromotoren, Haushaltsgeräte, Druckmaschinen.

2. Die High-Tech Lösungen: Composite & Kunststoff

Wenn Schmierung unerwünscht oder unmöglich ist, kommen Verbundwerkstoffe (Composite) zum Einsatz. Hier kombinieren sich die Festigkeit von Stahl oder Fasern mit den Gleiteigenschaften von Kunststoffen.

  • PTFE Composite (Trockengleitlager): Ein Stahlrücken sorgt für Stabilität, eine Zwischenschicht aus Sinterbronze für Wärmeabfuhr und die Deckschicht aus PTFE (Teflon) für wartungsfreien Trockenlauf.
    • Temperatur: Extrem weites Spektrum von -200 °C bis +250 °C.
    • Anwendung: Hydraulik, Automotive, überall wo Öl verboten ist.
  • POM Composite (Wartungsarm): Ähnlicher Aufbau, aber mit einer Deckschicht aus Acetalharz (POM) mit Schmiertaschen. Sie sind "initialgeschmiert" und benötigen kaum Wartung.
    • Vorteil: Sehr robust bei Kantenbelastung und stoßunempfindlich. Die "gelbe Buchse", die man oft in LKW-Fahrwerken oder der Landtechnik sieht.
  • Faserverbund-Gleitlager (Heavy Duty): Bestehen aus gewickelten Glasfasern und Epoxidharz mit einer PTFE-Gleitschicht.
    • Einsatz: Offshore, Unterwasser oder extrem korrosive Umgebungen. Sie rosten nicht, tragen enorme Lasten und benötigen kein Fett.

3. Nicht nur Buchsen: Anlaufscheiben (Axialscheiben)

Gleitlager müssen nicht immer zylindrisch sein. Oft ist der Bauraum in axialer Richtung extrem begrenzt, dennoch müssen Axialkräfte aufgenommen oder eine Anlauffläche geschützt werden. Hier kommen SKF Composite-Axialscheiben ins Spiel.

  • Das Prinzip: Diese flachen Scheiben fungieren als axiales Gleitlager. Sie verhindern, dass eine rotierende Welle direkt am Gehäuse reibt.
  • Das Material: SKF fertigt diese Scheiben serienmäßig aus den bewährten PTFE- und POM-Verbundwerkstoffen.
  • Der Einsatz: Sie eignen sich perfekt für enge Einbauräume, wo keine Wartung möglich ist und unzureichende Schmierung (Mangelschmierung) auftreten kann.

Auswahlkriterien: Welches Lager passt?

Die Wahl hängt vom Zusammenspiel aus Last (p) und Gleitgeschwindigkeit (v) ab – dem sogenannten pv-Wert.

  1. Hohe Last, langsam, schmutzig? → Massive oder gerollte Bronze.
  2. Schnell rotierend, kleine Last? → Sinterbronze.
  3. Wartungsfrei, hohe Last, Trockenlauf? → PTFE Composite (als Buchse oder Anlaufscheibe).
  4. Robust, seltenes Schmieren? → POM Composite.
  5. Korrosiv & Schwerlast? → Faserverbund.

Sie sind unsicher, ob ein Wälzlager oder ein Gleitlager besser passt? Vergleichen Sie die Systeme in unserer Hauptkategorie Wälzlager. Dort finden Sie eine Entscheidungshilfe.

Einbau und Wartung

Die Leistungsfähigkeit eines Gleitlagers steht und fällt mit dem Einbau und der Welle.

  • Die Welle: Die Oberfläche der Welle (Gegengleitfläche) ist entscheidend. Für Composite-Lager sollte sie sehr glatt (Ra 0,2–0,8 µm) und gehärtet sein, um den Verschleiß zu minimieren.
  • Der Einbau: Gleitlager werden meist in das Gehäuse eingepresst. Ein Verkanten zerstört die Buchse sofort. Nutzen Sie professionelle Hydraulik-Pressen und geeignete Einpressdorne, um die Buchse koaxial zu fügen.
  • Prüfung: Nach dem Einpressen kann sich der Innendurchmesser verändern. Prüfen Sie das Laufspiel mit präzisen Messwerkzeugen (z.B. Innenmikrometer oder Lehrdorn), um ein Klemmen der Welle zu verhindern.

Nutzen Sie die platzsparende Kraft der SKF Gleitlager. Wählen Sie oben Ihren Werkstoff.