Wann ist Rundschnur die bessere Wahl?
Rundschnur ist extrudiertes Elastomer- oder Kunststoffmaterial mit kreisrundem Querschnitt, das meterweise geliefert wird. Aus ihr lassen sich O-Ringe in beliebigen Abmessungen selbst herstellen – durch Ablängen und Verkleben oder Vulkanisieren der Enden. Das macht Rundschnur zur idealen Lösung für:
- Sonderabmessungen: Wenn kein genormter O-Ring den benötigten Innendurchmesser abdeckt, wird aus Rundschnur der passende Ring in der exakt erforderlichen Größe gefertigt.
- Großdichtungen: Flansche, Behälterdeckel oder Maschinengehäuse mit großen Durchmessern erfordern Dichtringe, die als Serienprodukt kaum verfügbar oder unverhältnismäßig teuer wären – aus Rundschnur sind sie schnell und wirtschaftlich herstellbar.
- Vor-Ort-Reparatur: Ein Techniker mit einem Meter Rundschnur und dem richtigen Klebemittel im Werkzeugkoffer kann eine Vielzahl von Dichtungsproblemen direkt an der Maschine lösen – ohne Wartezeit auf Ersatzteile.
Wichtiger Praxishinweis zur Anwendung: Selbst konfektionierte O-Ringe aus Rundschnur sind ausschließlich für statische Dichtungsanwendungen ausgelegt. An der geklebten oder vulkanisierten Verbindungsstelle verfügt das Material nicht über die identische mechanische Dynamik wie ein nahtlos spritzgegossener O-Ring. Für bewegte, dynamische Systeme (z. B. Kolben- oder Stangendichtungen) sind sie daher nicht geeignet.
Werkstoffe für jeden Einsatzbereich
Die Werkstoffauswahl bei Rundschnur folgt denselben Prinzipien wie bei O-Ringen: Medium, Temperatur und Dynamik der Anwendung bestimmen, welches Elastomer die richtige Wahl ist:
- NBR (Nitril-Butadien-Kautschuk): Der meistverwendete Werkstoff für Hydraulik-, Pneumatik- und Kraftstoffanwendungen. NBR-Rundschnur ist beständig gegen Mineralöle und Fette, bewährt sich im Temperaturbereich von −40 °C bis +100 °C und ist die wirtschaftliche Standardlösung für die meisten Instandhaltungsaufgaben.
- FKM (Fluorkautschuk / Viton): Für den Einsatz mit aggressiven Chemikalien, biologisch abbaubaren Hydraulikölen (HEES/HETG) oder bei erhöhten Betriebstemperaturen bis +200 °C. FKM-Rundschnur ist die Hochleistungsoption, wenn NBR an seine Grenzen stößt.
- EPDM (Ethylen-Propylen-Dien-Kautschuk): Hervorragende Beständigkeit gegen Wasser, Dampf, Bremsflüssigkeiten und Witterungseinflüsse. EPDM-Rundschnur ist die erste Wahl in der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik sowie überall dort, wo Ozon- und UV-Beständigkeit gefragt ist. Nicht geeignet für Mineralöle.
- Silikon (VMQ/MVQ): Breiter Temperatureinsatzbereich von −60 °C bis +200 °C bei gleichzeitig hoher Flexibilität und Lebensmitteltauglichkeit. Silikon-Rundschnur wird häufig in der Lebensmittelverarbeitung, der Pharmaindustrie und der Medizintechnik eingesetzt, wo Reinheit und Temperaturwechselbeständigkeit gleichzeitig gefragt sind.
- PTFE (Polytetrafluorethylen): Nahezu universell chemisch beständig und für extreme Temperaturen von −200 °C bis +260 °C geeignet. PTFE-Rundschnur – insbesondere in ungesinterter Form – eignet sich hervorragend für Armaturen, Pumpengehäuse und hochkorrosive Medien, bei denen kein anderes Elastomer standhält.
- Neopren (CR): Gute Witterungs-, Ozon- und Alterungsbeständigkeit bei mäßiger Ölverträglichkeit. Neopren-Rundschnur findet sich häufig im Außenbereich und in der Kältetechnik.
Verarbeitung und Konfektionierung
Rundschnur lässt sich mit einem sauberen Schnitt ablängen und zu einem geschlossenen Ring verbinden. Für eine dauerhaft dichte Verbindung stehen je nach Werkstoff verschiedene Methoden zur Verfügung:
- Kleben: Mit medienverträglichem Spezialkleber – schnell und ohne Werkzeug, ideal für die Reparatur vor Ort.
- Vulkanisieren: Für höchste Festigkeit und Medienbeständigkeit der Verbindungsstelle – empfohlen für dauerhafte Einbauten unter Betriebsdruck.
Wichtig: Die Qualität der Verbindungsstelle ist entscheidend für die Dichtheit des selbst gefertigten O-Rings. Unser technischer Innendienst berät Sie gerne zu den geeigneten Verbindungsverfahren und Klebemitteln für den jeweiligen Werkstoff und das Betriebsmedium. Das gesamte Dichtungssortiment – von Einzelringen bis zur Rundschnur – finden Sie strukturiert in der Dichtungstechnik-Kategorie unseres Online Shops.
Typische Einsatzbereiche
- Großdichtungen für Flansche, Behälterdeckel und Maschinengehäuse
- Sonderabmessungen für alte oder importierte Maschinen
- Abdichtung von Schaltschränken und Gehäusen im Außenbereich
- Dichtungen in der Lebensmittel- und Pharmaindustrie
- Reparatur- und Notfallabdichtungen in der Instandhaltung
- Ventil- und Armaturendichtungen in der Prozessindustrie
Flexibel beschaffen – auch in kleinen Mengen
Ein besonderer Vorteil von Rundschnur ist die Lieferform: meterweise, ohne Mindestmenge für konfektionierte O-Ringe, direkt aus dem Lager. Das macht sie zur idealen Lösung für Instandhaltungsbetriebe, die nicht für jede Sondergröße einen Vorrat anlegen möchten. Für Betriebe mit regelmäßigem Rundschnurbedarf in mehreren Werkstoffen empfehlen sich unsere C-Teile-Management-Lösungen – damit ist die richtige Schnur in der richtigen Qualität immer griffbereit, ohne manuellen Bestellaufwand.
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